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Der Shot, der aus der Kälte kommt

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Norwegen und Dänemark haben zwar bei den Playoffs die Teilnahme an der EM 2016 vergeigt. Aber wenn‘s um Schnaps geht, spielen sie immer ganz oben mit! Dank Aquavit nämlich! Denn Aquavit ist das Lebenswasser der Skandinavier. Der "Snaps" aus dem kalten Norden wird auch hierzulande von vielen brennend heiß geliebt – als Digestif nach schwer verdaulichen Speisen, als würziger Begleiter von Fisch & Co. oder einfach nur als Shot zum Fußball-Bier. 

Er ist kristallklar, kann aber auch goldgelb oder bernsteinfarben sein. Er muss den Geschmack von Kümmel haben, kann aber auch nach Dill, Koriander, Anis, Fenchel, Wacholder, Zimt, Nelken, Zitronen-, Orangen- oder Mandelschalen schmecken. Er wird eiskalt serviert, entfacht aber im Magen wohlige Wärme und bringt fjordfrische Würze unter den Gaumen. Aquavit ist kein gewöhnlicher Kümmelschnaps, er ist das Lebenselixier des hohen Nordens. In den Ländern, wo in kurzen Sommern die Tage nicht enden und in langen eisigen Wintern die Tage nicht beginnen wollen, ist er gleichzeitig Medizin, Aufmunterer und Genuss. 

Wenn die Niederlage quer im Magen liegt

Hierzulande gilt Aquavit zwar nicht gerade als Lifestyle-Getränk. Aber seit die Toten Hosen ihre Schwäche für eisgekühlten Bommerlunder intonierten und schwermütige Kriminalisten wie Kommissar Wallander und seine diversen, mit Robbenspeck und Aquavit groß gezogenen Kollegen aus dem hohen Norden die Bestsellerlisten anführen, liegt der Kümmelschnaps nicht nur in den Eisfächern von magenschwachen Tattergreisen. Auch der Mann von Welt greift gerne mal zu Aquavit – bevorzugt beim Knacken von Hummerscheren in Yet-Set-Fischbuden. Für Fußballfans ist Aquavit sowieso ein Segen: Beim Rudelgucken und/oder wenn der Grill qualmt, ist der  Shot aus dem Norden ein super Teamplayer. Unverzichtbar aber ist er spätestens, wenn die Niederlage oder die Stadionwurst quer im Magen liegt. 

© Jubiläums Akvavit

Was ist Aquavit?

© Linie Aquavit

Aquavit ist zunächst mal ein purer Schnaps, der aus Getreide oder Kartoffeln gebrannt wird. Bei der zweiten Destillation kommen dann aber als Geschmack gebende Komponente Kümmel sowie andere Kräuter und Gewürze wie Dill, Koriander, Ingwer, Zitronengras, Fenchel, Iriswurzel, Kamille und/oder Macisblüte dazu. Danach muss das Destillat zur Reifung gelagert werden. Dafür werden bei Spitzenqualitäten Sherry- oder Portweinfässer verwendet, die zum Geschmack wie auch zur Farbe beitragen. Je nach Rezeptur und Lagerbedingungen entstehen so Aquavit-Sorten mit verschiedenen Geschmacksvarianten.

 

 

Gut aufgestellt

Aquavit-Spezialiäten gibt es ohne Ende. Alleine in Aalborg, Dänemarks Schnaps-Hochburg am Limfjord, wird in über 100 Brennereien Aquavit hergestellt. Dazu kommen noch diverse Aquavit-Marken aus Norwegen und Schweden. Der bekannteste „Snaps“ der Dänen ist der, als „Jubi“ bekannte goldfarbene Aalborg Jubiläums Akvavit, der sich durch seine Milde, Eigenwilligkeit und das sehr betonte Dill-Aroma auszeichnet. Eine Berühmtheit ist auch der „Jule Akvavit“, den es alljährlich exklusiv und in limitierter Auflage nur zur Weihnachtszeit gibt. Auch in Deutschland wird Aquavit erzeugt. Bekannte deutsche Marken sind der „Malteserkreuz-Aquavit“ und der, von den Toten Hosen so geschätzte „Bommerlunder“. Zu den Geheimtipps gehört der wunderbar milde „Dreiling“ aus dem Hause Kreuzritter, der mit einem vielschichtigen Aroma punktet.

 

© Berentzen

The Special One

© Linie Aquavit

Der außergewöhnlichste Aquavit ist der „Linie-Aquavit“ aus Norwegen. Er entstand 1805, als der norwegische Schoner „Trondhjems Prove“ mit Fässern voll Lysholm Aquavit an Bord mit Kurs auf Australien in See stach. Bei der Rückkehr stellte man fest, dass nicht alle Fässer entladen worden waren – und dass der inzwischen zweimal über den Äquator (norwegisch: Linie) gereiste Aquavit noch feiner und sanfter schmeckte als die Ware, die ruhig im Keller der Brennerei gelagert hatte. Der Linie-Aquavit war geboren. 

Über die Linie

Noch heute schlummert „Linie-Aquavit“ während seiner Reise rund um den Globus der Welt in Eichenfässern, in denen zuvor Oloroso-Sherry lagerte. Sanft geschaukelt von den Wellen reibt der Aquavit ständig am Fass, löst so Aromen aus dem Holz und nimmt seine goldgelbe Farbe an. Die salzhaltige Seeluft und die wechselnden Klimaeinflüsse tun ein Übriges um seinen speziellen Geschmack zu vollenden. Wie schon vor über 200 Jahren ist die Wilhelm Wilhemsen Reederei für die Seereise des hochprozentigen Norwegers zuständig.  Auf der Rückseite des Labels (von hinten durch die Flasche sichtbar) ist immer vermerkt, mit welchem Schiff der Aquavit transportiert wurde und wann er den Äquator überquerte – und zwar staatlich garantiert. 

© Linie Aquavit

Teamplayer

© Linie Aquavit

Wie schon gesagt: Aquavit ist ein Teamplayer. In Norwegen trinkt man ihn auch zum Essen, denn er ist ein schmackhafter Begleiter von Matjes, anderen Fischgerichten und Meeresfrüchten. Die „Toten Hosen“ ziehen zum eisgekühlten Bommerlunder ein belegtes Brot mit Schinken oder Ei vor. Und bewegen sich damit nahe bei den Dänen, die ihren "Snaps" zum "Smorrebrod", dem üppig belegten dänischen Butterbrot, genießen. Für die alkoholentwöhnten Schweden sind das deftige Häppchenbüfett "Smörgasbord" und das traditionelle Krebsessen willkommene Anlässe, um sich einen "Snaps" zu gönnen. Aquavit passt generell gut zu Fisch, Wild, Geflügel und Fleisch – auch vom Grill.. Man kann sogar mit Aquavit kochen – zum Marinieren von Lachs oder anderem Fisch eignet er sich ebenso, wie als würzige Zutat von Saucen oder Dips.

Eiskalter Schuss

Generell sollte man Aquavit - wie im hohen Norden - eiskalt in nicht gekühlte Gläser einschenken. Und zwar aus dem speziellem Aquavitglas, das auf einem hohen Stiel steht, sodass die Handwärme den, mit Aquavit gefüllten Kelch nicht berührt. Der Shot, der aus der Kälte kommt, wird natürlich nicht genippt, sondern in einem Schluck gekippt. Aquavit lässt sich aber auch verlängern, zur Bloody Mary beispielsweise. Dazu 4 cl Aquavit, 1 cl Zitronensaft, 8 cl Tomatensaft, 2 Spritzer Tobasco, 2 Spritzer Worcestershire Sauce, eine Prise Selleriesalz und frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer mit 1-2 Eiswürfeln in einem Longdrinkglas verrühren. In diesem Sinne: Skål!

 

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